Chronik

11. Jh.

 

Wittenborg, ursprünglich "weißes Schloß", weil als Baumaterial Muschelkalk verarbeitet wurde, soll als Ritterburg (mehr Raubritterburg) bereits bestanden haben. Die Wittenburg lag ca. 25 m oberhalb des Dorfes auf einem Geländesporn von 100 auf 100 m, der durch Wall und Graben gesichert war. Auf der Finie befand sich damals die Kreuzung der West-Ost und der Nord-Süd - Verkehrswege auf den Höhenzügen, da die Niederungen sumpfig waren (Kreuzung B1/B3) Bis auf die lößreiche Ebene waren damals alle Flächen dicht bewaldet.

 

1175

 

Herzogin Adelheid von Wassel übernahm die Burg als Witwensitz.

 

1177

 

Soll eine Klus (Wohnung für einen Klausner oder Eremiten) auf der Finie (Vinus = Wein) gestiftet worden sein. Als Einsiedelei war die Klus unabhängig von Weisungen des Bischofs, allerdings wurden die Einsiedler oft in Acht und Bann gesetzt.
nach 1220 Über dem Eingangstor befindet sich eine Plastik des ersten Bischofs sowie eine Marienfigur mit Pieta; offenbar war die Kirche der Hlg. Maria geweiht.

 

1221

 

In Urkunden werden ein Arnold von Wittenburg und ein Ritter Siegfried von Elze, beide ansässig in Wittenburg, erwähnt.

 

Ende
12. Jh.

 

Urkundlich erstmals feststellbar als am Ende des 12. Jahrhunderts( vor 1162) die Wittenburg samt Patronate über die Kapelle dem Domstifte Hildesheim aus Billunger Besitz geschenkt wurde mit dem Zubehör: 12 Hufe (360 Morgen) Land in Osethe (eingegangenes Dorf am Oeseder Bach südlich der Kendelke); Aufgabe vermutlich aufgrund der Parzellenteilung infolge des damaligen Erbrechts).

 

1316

 

Soll aus der Klus durch den Bischof von Hildesheim ein Augustiner - Kloster gemacht worden sein (6 Mönche, Prior in incluse); evtl. aufgebaut durch das Kloster Möllenbeck; ein Pater Stephanus wird genannt).

 

1328

 

Es gibt regulierte Chorherren in Wittenburg. Die Augustiner widmeten sich damals vorwiegend der Wissenschaft. Im Laufe des 14. Jahrhunderts wurde das Kloster reich durch Schenkungen, so Höfe, Ländereien und Zehntrechte sowie Käufe in Wülfingen, Eldagsen, Adensen, Osethe, Flegessen, Boitzum, Bodensen, Schlikum (Fischerei), Gronau (Fischerei) und Elze, so z.B. die Saalemühle.

 

1423

 

Klosterreform nach der Winzheimer Kongregation (Wittenburg hat sich dieser als erstes Kloster in Niedersachsen angeschlossen).
1497 wurde die Kirche im gotischen Stil renoviert und ein Wirtschaftstrakt im Süden angebaut. (Jahreszahl über dem Westeingang: MCCCCXCVII sowie ein Symbol mit den 5 Wundmalen Christi). Zu dem Laienschiff kommt ein Querchor für die Mönche. Die Klosterkirche ist in den östlichen Chorraum für die Mönche (mit Sandsteinplatten als Fußboden) und den westlichen Laienraum (mit Ziegelfußboden) aufgeteilt.

 

1543

 

Die Reformation Luthers wird in Wittenburg eingeführt.

 

1580

 

Das Kloster wird von Herzog Heinrich Julius von Calenberg (Bischof von Halberstadt) in Besitz genommen, säkularisiert und wird fürstliches Kammergut (Kammer-Amt). Die Chorherren werden ins Michaeliskloster nach Hildesheim vertrieben. Die Verwaltung hatten Amtsleute, Wittenburg bekam Braurechte, eine herrschaftliche Mühle bei Elze (Saalemühle?) und eine in Sorsum. Das Amt hat auch viele Zahlende und zehntpflichtige Meier gehabt (in Sorsum, Boitzum, Wittenburg, Elze, Eldagsen, Adensen, Alferde, Wülfinghausen). Der Zinskornboden wurde erst 1855 aufgehoben.

 

1586

 

Geschenk eines Taufbeckens durch Herzog Heinrich Julius.

 

16. Jh.

 

Grabstein eines Herrn von Mengelsen

 

Anf.
17. Jh.

 

Die Wittenburg litt sehr unter Plünderungen und Repressalien im Zeitalter der Reformation und während des 30-jährigen Krieges.

 

18. Jh.

 

Das Amt Wittenburg scheint im 18. Jahrhundert sehr reich gewesen zu sein. Es hatte u.a. Schuld-Urkunden von 7 Städten in Händen: Alfeld, Braunschweig, Einbeck, Gronau, Hildesheim, Hannover, Hameln.
Das Amt Wittenburg fällt schließlich an Hallerburg.

 

1772

 

wird das Amt in eine Staatsdomäne umgewandelt.

 

1782

 

wurden Grundstücke vom Dominalgute Wittenburg abgetrennt und Neubauern eingesetzt. Neu: 11 Neubauer (2 Vollmeier mit je ca. 82 Morgen, 2 Köthner mit je 16 Morgen und 7 Beibauern (ca. 4 Morgen) zuzüglich Gartenland, Hofraum und Wiesenwachs).

 

1783

 

Das restliche Amtsgut wird auf Weisung König Georg III. von Hannover der Veranstaltung landw. Versuche gewidmet. Es soll eine Musterwirtschaft werden: Veredelung der Schäferei durch Einführung feinhaariger spanischer Schafe, Versuche von gedrilltem statt mit der Hand gesätem Getreide (die 1. Drillmaschine im Königreich Hannover lief in Wittenburg!). Von Wittenburg aus sind dann sämtliche Domänen des Landes Hannover wirtschaftlich reformiert.

 

1793

 

Wittenburg wird das Braurecht zuerkannt (Nach anderen Angaben bereits 1580). Der einmalige Ruf des wohlschmeckenden "Bieres aus Wittenburg" sprach sich im Lande herum. Das Braun- oder Süßbier soll der Überlieferung nach alle anderen Süßbiere an Qualität übertroffen haben. Die Kunst des Bierbrauens brachte dem Kloster ein lokales Biermonopol (für die Ortschaften Alferde, Sorsum und Boitzum) ein, so daß man der Brauerei gestattete, das Bier in die umliegenden freien Krüge (Gastwirtschaften) zu liefern.

 

1795

 

Wittenburg wird der Sitz der Calenbergischen Landwirtschaftsgesellschaft für ihre halbjährlichen Versammlungen.
um 1800 Napoleonische Zeit: Die Kirche dient als Pferdestall, später auch als Schafstall und Kornkammer. Bis um 1800 soll das Dach 20 Fuß (ca. 6 m) höher gewesen sein.

 

1825-1873

 

Amtmann Keitel, zugleich Pächter der Domäne Poppenburg, nützt die Domäne Wittenburg als Vorwerk.

 

1868

 

Neugotischer Hochaltar, errichtet vom Baumeister der Marienburg, Haase.

 

1873

 

Domäne wieder selbständig, Amtmann Holwes bis 1888.

 

1885

 

Das Wirtschaftsgebäude an der Südseite des Klosters fällt einem Brand zum Opfer.

 

1895

 

Die Brauerei brennt ab und wird aus Kostengründen nicht wieder aufgebaut. Es bleibt lediglich das Verwalterhaus erhalten (heute Brauereiweg Nr. 8).

 

1895

 

Chronik von Wittenburg, erstellt durch den Pastor des Kirchspiels zu Wülfinghausen - Wittenburg, Heinrich Stoffregen.

 

1897 (?)

 

Stiftung des Wittenburger Friedhofs durch Heinrich Ewig mit der Auflage, eine kostenfreie Begräbnisstätte für Wittenburger Bürger ohne Ansehen der Person oder der Religion zu erlauben.

 

1908

 

Aufteilung der Domäne Wittenburg (letzter Amtmann: Ernst Budde).

 

1911

 

Bau der Orgel durch den Elzer Orgelbauer Furtwängler
(ansässig in der Bahnhofstr. Haus: "Elektro-Boy")

 

1972

 


Renovierung der Kirche. Die historisch wertvolle Furtwängler - Orgel, die unter Denkmalschutz steht, weil sie eine der letzten Originale ist, liegt in Bauteile zerlegt in einem Nebenraum der Kirche.

 

1974

 

Nach wechselnden Zugehörigkeiten zu verschiedenen Kommunen und Landkreisen wird Wittenburg ab 1. März 1974 Ortsteil der Stadt Elze (Landkreis Hildesheim).

 

1997

 

Renovierung der Furtwängler - Orgel zum 500sten Geburtstag der Marien- und Willardi – Kirche Wittenburg
Aufst. 1980 F.L. ergänzt nach verschiedenen Angaben